Geld ist nicht alles

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Gehälter von Architekten und Bauingenieuren variieren deutschlandweit sehr stark. Dabei spielen verschiedene Faktoren eine entscheidende Rolle: Einerseits ist relevant, welche Ausbildung und Berufserfahrung der Bewerber mitbringt. Andererseits kommt es darauf an, bei welchem Arbeitgeber er einsteigen will, wo dieser angesiedelt ist und wie viele Mitarbeiter es gibt. Hinzu kommt noch das persönliche Verhandlungsgeschick.

Besonders kniffelig ist bei einer Bewerbung oder im Vorstellungsgespräch die Frage nach den Gehaltsvorstellungen. Um dabei entweder eine genaue Zahl oder eine Gehaltsspanne nennen zu können, sollte sich der angehende Angestellte über einige Punkte im Klaren sein: Bei Gehaltsangaben ist immer die Rede vom Jahresbruttogehalt. Dieses beinhaltet dann neben den monatlich ausgezahlten Löhnen die festen Anteile wie Steuern, Versicherungen, Urlaubs- und Weihnachtsgeld, Anteile an Arbeitnehmersparzulagen oder betrieblicher Altersvorsorge sowie Boni oder Provisionen. Wird der künftige Arbeitnehmer nach Tarif bezahlt, beziffern die entsprechenden Tariftabellen das Grundgehalt. Dieses kann dann noch mit diversen Zuschlägen aufgestockt werden.

Keine tarifvertragliche Bindung

Da es für Angestellte eines Architekturbüros keine verpflichtende tarifvertragliche Bindung gibt, lässt sich das Gehalt – abhängig von der persönlichen Qualifikation und dem angebotenen Tätigkeitsbereich – frei in einem bestimmten wirtschaftlichen Rahmen von beiden Seiten vereinbaren. Für Absolventen eines Architektur- oder Bauingenieurstudiums ist es daher empfehlenswert, sich vor der Bewerbung oder dem Vorstellungsgespräch bei Berufskollegen nach den durchschnittlich gezahlten Gehältern zu erkundigen. Allgemeine Anhaltspunkte erhalten Berufseinsteiger auch auf der Webseite der Bundesarchitektenkammer in der Rubrik „Wirtschaft / Arbeitsmarkt“ oder bei den einzelnen Landesarchitektenkammern, wo die aktuellen Gehaltsstrukturen durch regelmäßige Befragungen hinterlegt sind. Im Internet gibt es zudem über das Bundesamt für Statistik sowie über diverse Gehaltsrechner von Jobbörsen zusätzliche Informationen.

Gute Aussichten

„Die Zeiten, in denen Absolventinnen und Absolventen der Fachrichtung Architektur schlecht oder gar nicht bezahlte Einstiegsjobs hatten, liegen glücklicherweise hinter uns. Hier hat sich der Markt hin zu einem Arbeitnehmermarkt gewandelt. Dennoch liegen Architektinnen und Architekten, obgleich Teil der freien Berufe, noch immer deutlich unter den Einstiegsgehältern anderer freier Berufe, etwa von Anwälten oder Steuerberatern“, weiß Diplom-Ingenieur Ernst Uhing, Präsident der Architektenkammer Nordrhein-Westfalen (AKNW). Jedoch gebe der Markt derzeit auch zusätzliche „Incentives“ her, die es in diesem Bereich über Jahrzehnte kaum gegeben habe. Neben den klassischen Anreizen wie Bonuszahlungen, Mitarbeiterbeteiligungen oder Firmenrenten, beispielsweise in Ergänzung zu der Altersabsicherung über das Versorgungswerk der AKNW, setzten sich mittlerweile immer mehr nicht-materielle Anreize durch, wie zum Beispiel das Bereitstellen von Kinderbetreuungsplätzen, das Bezahlen eines Job-Rades oder auch Teilzeitarbeit.

Weniger Gehalt für Frauen

Im Auftrag der Bundesarchitektenkammer und der Länderkammern führt das Unternehmen Reiß & Hommerich regelmäßig Umfragen unter anderem zum Gehalt durch. So ergab die bundesweite Strukturbefragung selbstständig tätiger und abhängig beschäftigter Mitglieder der Architektenkammern der Länder im Jahr 2020 für das Berichtsjahr 2019 folgendes Bild: Angestellte Vollzeittätige in einem Architektur- oder Planungsbüro verdienten ein Gesamt-Brutto-Jahresgehalt inklusive aller zusätzlicher Geldleistungen und Überstundenvergütungen von durchschnittlich 50.400 Euro, während es in der gewerblichen Wirtschaft 75.000 Euro und im öffentlichen Dienst 58.976 Euro waren (siehe Grafiken oben).

Unterscheidet man die Vergütungen nach Geschlecht, wird deutlich, dass Frauen in allen Bereichen nach wie vor weniger als ihre männlichen Kollegen verdienen: Weibliche angestellte Vollzeittätige in einem Architektur- oder Planungsbüro verdienten ein Gesamt-Brutto-Jahresgehalt inklusive aller zusätzlichen Geldleistungen und Überstundenvergütungen von durchschnittlich 46.800 Euro (Männer: 54.600 Euro), in der gewerblichen Wirtschaft 64.000 Euro (Männer: 80.000 Euro) und im öffentlichen Dienst 61.426 Euro (Männer: 65.500 Euro).  „Die Umfrage der Hommerich-Forschung ergab, dass Frauen im Schnitt rund 80 Prozent des Gehalts ihrer männlichen Kollegen erhielten. Das durchschnittliche Brutto-Jahresgehalt der befragten Frauen bundesweit lag demnach bei 52.000 Euro. Die männlichen Angestellten verdienten im Schnitt 62.400 Euro. Dieser Zusammenhang war in Architektur- und Planungsbüros ebenso festzustellen wie in der gewerblichen Wirtschaft oder im öffentlichen Dienst“, bringt es Landschaftsarchitekt Georg Stein, zuständig für die Bereiche Fort- und Weiterbildung der Architektenkammer Rheinland-Pfalz, auf den Punkt. Ergänzend merkt Andreas Wohlfarth, Präsident der Architektenkammer Sachsen und Freier Architekt, an, die aktuelle Gehaltsstudie der Bundesarchitektenkammer mache deutlich, dass Architektinnen in Führungspositionen unterrepräsentiert seien. Die Gender-Pay-Gap ist daher auch ein Thema in der berufspolitischen Arbeit der Architektenkammer Nordrhein-Westfalen.

Gewerbliche Wirtschaft honoriert am besten

Schlüsselt man das Gesamt-Brutto-Jahresgehalt inklusive aller zusätzlichen Geldleistungen und Überstundenvergütungen nochmals nach den Tätigkeiten auf, zeigt sich, dass in einem Architektur- und Planungsbüro für die Geschäftsführung 85.000 Euro, für eine leitende Tätigkeit 54.000 Euro sowie für eine weisungsgebundene Tätigkeit 44.400 Euro gezahlt werden. In der gewerblichen Wirtschaft erhält die Geschäftsführung 120.000 Euro, für eine leitende Tätigkeit werden 80.000 Euro und für eine weisungsgebundene 65.000 Euro vergüte. Eine Geschäftsführung im öffentlichen Dienst erhält 85.000 Euro, die leitende Tätigkeit wird mit 69.953 Euro sowie die weisungsgebundene mit 60.000 Euro honoriert.

Unterschiedliche Honorare in den Bundesländern

Vergleicht man dazu das Gesamt-Brutto-Jahresgehalt inklusive aller zusätzlichen Geldleistungen und Überstundenvergütungen der angestellten Vollzeittätigen in den einzelnen Bundesländern, so zeigt sich, dass man am besten in Hessen (63.276 Euro), Schleswig-Holstein (62.688 Euro) sowie Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz (60.000 Euro) verdient. Die ostdeutschen Bundesländer Mecklenburg-Vorpommern (50.931 Euro), Brandenburg (50.520 Euro), Sachsen (50.000 Euro) und Thüringen (48.000 Euro) bilden dagegen die Schlusslichter. „Sachsen rangiert beim Gehalt im unteren Bereich, das West-Ost-Gefälle ist nach wie vor deutlich sichtbar. Dem stehen aber auch teilweise noch geringere Lebenshaltungskosten und vielleicht größere Chancen der individuellen Gestaltung von Lebens- und Arbeitsumfeld gegenüber, so dass die Bewertung ,nominales Gehalt versus Lebensqualität‘ durchaus differenzierter ausfallen kann“, gibt Andreas Wohlfarth, Präsident Architektenkammer Sachsen und Freier Architekt, zu bedenken. Sein Kollege Ernst Uhing, Präsident der Architektenkammer Nordrhein-Westfalen, betont: „Das durchaus noch immer vorhandene Gefälle zwischen der Bezahlung im Norden und Süden, dem Westen und dem Osten löst sich ebenfalls zunehmend auf, da es überall an Fachkräften mangelt.“

Die Verteilung des Gesamt-Brutto-Jahresgehaltes 2019 der angestellten Vollzeittätigen in Architektur- und Planungsbüros stellt sich nochmal anders dar, wenn man sich an der Berufserfahrung orientiert. Wer bis zu fünf Jahre Berufserfahrung vorweisen kann, verdient in Rheinland-Pfalz (47.000 Euro), gefolgt von Bayern (46.000 Euro) und Hessen (45.500 Euro) am meisten, während Berufseinsteiger in Niedersachsen (39.600 Euro) und Sachsen (37.747 Euro) am wenigsten erhalten. Bei sechs bis zehn Jahren Berufserfahrung kann man am besten in Hamburg und Hessen (jeweils 50.000 Euro) verdienen, während es in Sachsen für die gleiche Zeit an Berufspraxis nur 41.800 Euro gibt. In Bayern wird eine Berufserfahrung von elf bis 20 Jahren mit 60.000 Euro am höchsten honoriert, während es in Rheinland-Pfalz dafür nur 50.000 Euro gibt.

Auswertungen der Bundesingenieurkammer

Der Ausschuss der Verbände und Kammern der Ingenieure und Architekten für die Honorarordnung, die Bundesingenieurkammer sowie der Verband beratender Ingenieure geben ebenfalls jedes Jahr eine Studie zur wirtschaftlichen Situation der deutschen Ingenieur- und Architekturbüros in Auftrag. Für 2019 wurde dabei ermittelt, dass vollbeschäftigte angestellte Ingenieure folgende Brutto-Jahresgehälter (ohne Arbeitgeberanteil) erhielten: Bei ein bis zwei Jahren Berufserfahrung lag das Gehalt bei 42.307 Euro (Median: 42.000 Euro), bei drei bis zehn Jahren Berufserfahrung verdienten sie 51.861 Euro (Median: 51.530 Euro) sowie bei über zehn Jahren Berufserfahrung 63.857 Euro (Median: 64.000 Euro). Bei den gleichen Voraussetzungen erhielten angestellte Architekten mit einem bis zwei Jahren Berufserfahrung ein Brutto-Jahresgehalt von 38.580 Euro (Median: 38.000 Euro), bei drei bis zehn Jahren Berufserfahrung verdienten sie 47.814 Euro (Median: 48.000 Euro) sowie bei über zehn Jahren Berufserfahrung 57.613 Euro (Median: 58.000 Euro).

Statistiken und Gehaltsreporte

Weitaus weniger differenziert sind die Angaben, die Bewerber über Statista oder Jobportale erhalten können. Statista gibt beispielsweise an, dass männliche angestellte Vollzeit-Arbeitnehmer in einem deutschen Architektur- oder Ingenieurbüro 2020 durchschnittlich pro Monat 5.380 Euro (2019 noch 5.593 Euro) verdienten, während die weiblichen Mitarbeiterinnen im Monat auf 3.977 Euro (2019 noch 4.106 Euro) kamen. Gemäß den Angaben des Gehaltsreports 2021 des Job-Portals Stepstone liegt das jährliche durchschnittliche Einstiegsgehalt von Architekten bei 39.580 Euro. Durchschnittlich verdienen Architekten dann bis zu 59.083 Euro jährlich, so dass eine Steigerung von bis zu 49 Prozent laut dem Jobportal möglich ist.

Darüber hinaus werden je nach Stadt oder Bundesland unterschiedliche Gehälter gezahlt. Im Stepstone-Gehaltsreport 2021 rangiert beispielsweise Frankfurt am Main auf Platz eins der Top Ten, gefolgt von Stuttgart, München und Düsseldorf, während man in Essen, Mannheim und Köln gemäß dieser Liste am schlechtesten verdient. Schaut man sich wiederum die Bundesländerliste an, verdienen Architekten in Hessen, Baden-Württemberg und Bayern, gefolgt von Hamburg und Nordrhein-Westfalen, am besten. Hier bilden Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg die Schlusslichter. Generell wird in der Übersicht deutlich, dass es hinsichtlich der Gehälter nach wie vor ein Gefälle von Süd nach Nord sowie von West nach Ost gibt.

Berufliche und persönliche Entwicklung

Bewerber können sich bis ins kleinste Detail in die Welt der Gehaltsangaben vertiefen. Doch die Gehaltsvorstellung ist nur ein Punkt, der bei der Wahl des richtigen Stellenangebotes eine Rolle spielen sollte. Neben der Vergütung sollte man daher auch immer berücksichtigen, wie der potenzielle Arbeitgeber die berufliche und persönliche Weiterentwicklung honoriert. Wer vielleicht auf ein paar Euro im Monat mehr verzichtet, findet dafür eine Stelle, bei der sich Arbeit und Beruf oder die Work-Life-Balance besser vereinbaren lassen. Ein Aspekt, den Architekten und Bauingenieure bei ihrer Jobsuche auf jeden Fall in ihre Überlegungen miteinbeziehen sollten.  me

 

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